Was kostet gute Planung?
Diese Frage beschäftigt Architekten und Ingenieure jeden Tag – nicht nur im Wettbewerb, sondern auch in der eigenen Kalkulation.
Seit dem Wegfall der verbindlichen Mindestsätze der HOAI und angesichts steigender Kosten durch Energie, Software, Personal und Versicherungsschutz ist es 2025 wichtiger denn je, den eigenen Stundensatz professionell zu kalkulieren.
Doch was ist „angemessen“ – und wie lässt sich ein fairer, wirtschaftlich tragfähiger Satz bestimmen?
1. Der Markt hat sich verändert
Seit der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs im Jahr 2019, die verbindlichen Mindestsätze der HOAI aufzuheben, bestimmen Architekten und Ingenieure ihre Honorare frei.
Das führte zu einem intensiven Preiswettbewerb – vor allem bei kleineren Büros.
Laut der aktuellen Studie des Architects’ Council of Europe (ACE) liegen die durchschnittlichen Stundensätze von Architekten in Deutschland zwischen 85 und 115 Euro, abhängig von Projekttyp, Erfahrung und Spezialisierung.
Ingenieure mit Fokus auf Energieeffizienz, TGA oder BIM erzielen meist deutlich höhere Sätze.
Parallel dazu steigen die betrieblichen Kosten spürbar:
- Personalkosten steigen wegen Fachkräftemangel und Inflation.
- Software und IT-Sicherheit verursachen deutlich höhere Lizenz- und Wartungskosten.
- Versicherungsprämien (z. B. Berufshaftpflicht, Cyberversicherung) wachsen mit den technischen Risiken.
Damit wird eine unternehmerische Stundensatzkalkulation zur Pflicht – nicht nur zur Sicherung der Liquidität, sondern auch als Grundlage für Honorarverhandlungen mit Auftraggebern.
2. Wie sich ein realistischer Stundensatz zusammensetzt
Fixkosten & Gemeinkosten
Büromiete, Versicherungen, IT, Fortbildungen, Fahrzeuge und Buchhaltung gehören in die Kalkulation. Diese Kosten müssen auf die abrechenbaren Stunden verteilt werden.
Personalkosten
Laut aktuellen Gehaltsstudien liegen die durchschnittlichen Gesamtkosten für eine angestellte Architektin oder Ingenieurin (inklusive Nebenkosten) bei etwa 80.000 bis 85.000 Euro pro Jahr, was rund 39 Euro pro Stunde entspricht.
Unternehmerlohn & Gewinn
Ein angemessener Unternehmerlohn liegt – abhängig von Bürogröße und Spezialisierung – zwischen 30 und 50 Euro pro produktiver Stunde.
Unproduktive Zeit
Akquise, interne Besprechungen, Fortbildungen oder Verwaltungstätigkeiten sind nicht abrechenbar. In der Regel sind nur 60 bis 70 Prozent der Arbeitszeit fakturierbar.
Beispielrechnung:
Bei 100.000 Euro Gesamtkosten und 1.200 abrechenbaren Stunden ergibt sich ein Mindeststundensatz von 83 Euro, bei 150.000 Euro entsprechend 125 Euro.
3. Aktuelle Stundensätze 2025 – Branchenvergleich
| Tätigkeitsfeld | Üblicher Stundensatz netto (2025) | Tendenz |
|---|---|---|
| Architektur – Objektplanung | 85–110 € | stabil |
| Tragwerksplanung | 95–120 € | steigend |
| TGA / Haustechnik | 90–130 € | steigend |
| Energieberatung / Nachhaltigkeit | 100–140 € | stark steigend |
| BIM-Koordination / Digitalplanung | 110–160 € | stark steigend |
| Brandschutz / Sicherheitstechnik | 120–170 € | steigend |
| Vermessung / Geodaten / Drohne | 90–130 € | stabil |
| Bauleitung / Projektsteuerung | 80–120 € | stabil |
Diese Werte basieren auf Marktanalysen von Berufsverbänden, Gehaltsstudien und der Erfahrung aus Ingenieur- und Architekturbüros im Jahr 2025.
Die Spreizung zeigt: Der Preis hängt weniger von der Berufsbezeichnung als vom Wert der Spezialisierung ab.
4. Wie sich höhere Stundensätze rechtfertigen lassen
Viele Büros verkaufen sich unter Wert, weil sie glauben, Auftraggeber würden höhere Sätze nicht akzeptieren.
Doch der Markt zeigt: Auftraggeber honorieren Qualität, Verantwortung und nachvollziehbare Argumente.
Wichtige Aspekte in der Kommunikation:
- Haftung & Verantwortung: Fehler können erhebliche Kosten verursachen – und der Planer haftet persönlich.
- Zertifizierungen & Weiterbildung: Wer sich spezialisiert, steigert den Wert seiner Leistung.
- Digitale Infrastruktur: Software, Server und Cyberabsicherung sind Teil moderner Planung und müssen sich im Preis widerspiegeln.
- Versicherungsschutz: Eine professionelle Berufshaftpflicht signalisiert Auftraggebern Sicherheit und Seriosität.
5. Tipps für die eigene Kalkulation
- Berechne deinen Stundensatz auf Basis echter Vollkosten, nicht nach Gefühl.
- Dokumentiere jede Kostenposition – von der Miete bis zum Server.
- Kalkuliere unproduktive Zeit realistisch ein.
- Kommuniziere deinen Wert mit Selbstbewusstsein: Qualität, Erfahrung, Sicherheit.
- Plane Rücklagen für Steuern, Versicherung und Ausfälle ein.
6. Fazit – der richtige Stundensatz ist Strategie, nicht Zufall
2025 ist wirtschaftliches Denken im Planungswesen wichtiger denn je.
Wer seinen Wert kennt, kalkuliert und transparent kommuniziert, kann sich vom reinen Preiswettbewerb lösen – und nachhaltig erfolgreich arbeiten.
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