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Architekten & Igenieure

Künstliche Intelligenz im Bauwesen: Haftung 2026 unter dem EU‑AI‑Act – was Architekten & Ingenieure jetzt klären müssen

Kai Doerk · 14.01.2026 ·

Die Digitalisierung verändert das Bauwesen schneller denn je: KI übernimmt Mengenermittlungen, erkennt Kollisionen im BIM‑Modell, analysiert Bauzeiten und erstellt automatisierte Berichte. Doch mit diesen Chancen entstehen neue Fragen – vor allem zur Haftung.

2026 werden zwei EU‑Gesetze zum Wendepunkt:

  • der EU‑AI‑Act (KI‑Verordnung)
  • die neue EU‑Produkthaftungsrichtlinie (EU 2024/2853)

Beides verändert die Risikolage für Planungsbüros grundlegend.


Warum 2026 zum Schlüsseljahr wird

Die KI‑Verordnung wurde 2024 im Amtsblatt veröffentlicht und trat am 1. August 2024 offiziell in Kraft. Ihre Anwendung erfolgt stufenweise:

  • ab 2. Februar 2025: erste Verbote und Grundanforderungen
  • ab 2. August 2025: Vorgaben für General‑Purpose‑AI, Governance
  • ab 2. August 2026: Hauptpflichten für Hochrisiko‑KI
  • ab 2. August 2027: weitere Regeln (z. B. Art. 6‑Pflichten)

Deutsche Quellen:
Bundesregierung (Überblick zum AI Act):
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ai-act-2285944
Wikipedia‑Artikel zur deutschen KI‑Verordnung:
https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung_%C3%BCber_k%C3%BCnstliche_Intelligenz
Deutschsprachiger Volltext-Explorer:
https://ai-act-law.eu/de/

Parallel läuft die Umsetzung der neuen EU‑Produkthaftungsrichtlinie, die Software und KI eindeutig als „Produkt“ einstuft. Deutschland muss sie bis 9. Dezember 2026 umsetzen.

Deutsche Quelle:
DIHK – „Produkthaftung wird ausgeweitet“
https://www.dihk.de/de/serviceportal/fuer-gewerbetreibende-unternehmer/gesetzliche-neuregelungen/produkthaftung-wird-ausgeweitet-141684


Was im Planungsbüro als „High‑Risk‑KI“ gilt

Die KI‑Verordnung arbeitet risikobasiert. Hochrisiko‑Systeme müssen u. a.:

  • Risikomanagement betreiben
  • Datenqualität und Governance sicherstellen
  • technische Dokumentation führen
  • Protokolle (Logs) anlegen
  • menschliche Aufsicht gewährleisten
  • Robustheit, Genauigkeit und Cyber‑Sicherheit garantieren

Deutschsprachiger Zugang zum Gesetzestext:
https://ai-act-law.eu/de/

Die Bundesregierung erklärt die High‑Risk‑Kategorien (kritische Infrastruktur, Beschäftigung, Finanzsysteme, Gesundheitswesen):
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ai-act-2285944

Für die Baupraxis relevant:

  • automatisierte Kollisionsprüfungen
  • KI‑gestützte Kosten‑ und Terminprognosen
  • automatisierte Bauüberwachung
  • Prüf‑ und Analysewerkzeuge, die sicherheitsrelevante Entscheidungen beeinflussen

Sechs Vertragsklauseln, die 2026 unverzichtbar werden

  1. Transparenz zum KI‑Einsatz
    Welche Systeme eingesetzt werden, welche Entscheidungen KI trifft, welche durch Menschen geprüft werden.
  2. Daten‑Governance
    Anforderungen an Datenquellen, Qualität, Protokollierung, Löschung/Aufbewahrung.
  3. Verantwortungsgrenzen (Provider/Deployer)
    Wer betreibt das System? Wer ist verantwortlich?
    Grundlage: KI‑Verordnung, Art. 16–26
    https://ai-act-law.eu/de/
  4. Konformitätsbewertung & CE‑Status
    Wichtig für Hochrisiko‑Systeme. Risikobewertung, technische Dokumentation, ständige Überwachung.
  5. Update‑ und Sicherheitspflichten (Produkthaftungsrichtlinie)
    Fehlerhafte oder fehlende Updates gelten künftig als Produktmangel.
    DIHK‑Überblick:
    https://www.dihk.de/de/serviceportal/fuer-gewerbetreibende-unternehmer/gesetzliche-neuregelungen/produkthaftung-wird-ausgeweitet-141684
  6. Datenschutz (DSGVO) auch bei KI
    Europäische & deutsche Behörden betonen: KI‑Systeme müssen DSGVO‑konform sein.
    Empfehlung deutscher Behörden (EDPS deutschsprachig):
    https://www.edps.europa.eu/system/files/2025-10/25-10_28_revised_genai_orientations_en.pdf

Versicherungsschutz: Was Architekten & Ingenieure 2026 prüfen müssen

Berufshaftpflicht

Bei der Absicherung von Architekten‑ und Ingenieurleistungen kann es sinnvoll sein, auch jene Risiken zu berücksichtigen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz digitaler oder KI‑basierter Anwendungen entstehen können. Je nach Projekt, Softwarelösung und Arbeitsweise können unterschiedliche Fragestellungen relevant werden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Risiken im Zusammenhang mit KI‑unterstützten Planungsprozessen
  • mögliche Abweichungen oder Ungenauigkeiten in automatisierten Analysen
  • Verantwortlichkeiten bei Entscheidungen, die auf algorithmischen Auswertungen beruhen
  • Unterstützung bei der Abwehr unberechtigter Haftungsansprüche im Rahmen des passiven Rechtsschutzes

Rechtsrahmen Architektur/Ingenieurverträge in Deutschland (BGB / Rechtssystem):
https://de.wikipedia.org/wiki/Architektenvertrag

Cyberversicherung

Die digitale Bedrohungslage in Deutschland wird jährlich vom BSI bestätigt.

Aktuelle deutsche Quellen:

BSI‑Lagebericht zur IT‑Sicherheit:
https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Publikationen/Lagebericht/lagebericht_node.html

Analyse Cyberrisiken 2025 (deutsche Zusammenfassung):
https://digitalbuero-limburg.de/bsi-lagebericht-2025-cyberrisiken-deutschland/

Cybersecurity im Bauwesen (deutsch):
https://www.built-smart-hub.com/post/cybersecurity-im-bauwesen-digitale-sicherheit-f%C3%BCr-eine-vernetzte-zukunft

Cyberrisiko Bau (AXA XL Deutschland):
https://axaxl.com/de/fast-fast-forward/articles/baustelle-cyberrisiko-digitalisierung-der-baubranche-sicher-umsetzen


Checkliste: 10 Schritte zur KI‑sicheren Büroorganisation

  1. Überblick aller eingesetzten KI‑Tools erstellen
  2. Verantwortliche im Büro definieren
  3. Risikoeinstufung (High‑Risk ja/nein) dokumentieren
  4. Konformitätsbewertung sicherstellen
  5. Datenqualität, Logging, Protokollierung festlegen
  6. Menschliche Kontrollpunkte definieren
  7. Anbieter‑ und Softwareverträge aktualisieren
  8. DSGVO‑Konzept für KI anpassen
  9. Versicherungen auf AI‑Risiken prüfen
  10. Mitarbeitende entsprechend schulen

VDI‑Studie (Generative KI im Ingenieurwesen):
https://www.vdi.de/ueber-uns/presse/publikationen/details/auswirkungen-generativer-ki-auf-die-arbeit-in-ingenieurberufen
(Volltext PDF):
https://cache.pressmailing.net/content/ed173a58-5ded-4b5f-8c9b-b99c9a73c538/VDI-Studie-Auswirkun~berufen-2025-05.pdf


BIM, Digitalisierung & KI‑Integration

Deutschsprachige, staatliche Informationen zu BIM:

BIM Deutschland – zentrales Bundesportal:
https://www.bimdeutschland.de/

Bundesministerium (BMWSB): Digitalisierung im Bau:
https://www.bmwsb.bund.de/DE/bauen/innovation-klimaschutz/digitalisierung-am-bau/bim-deutschland_artikel.html



Sie möchten wissen, welche Absicherung für Ihr Planungsbüro sinnvoll ist – und welche Bausteine wirklich zu Ihrem Tätigkeitsprofil passen?

Fordern Sie jetzt Ihr individuelles Angebot an. Wir prüfen Ihre Situation, berücksichtigen Ihre spezifischen Risiken und erstellen eine passgenaue Lösung für Architekten und Ingenieure.

OLG Karlsruhe 19.11.2025 (15 U 6/25): Was Architekt:innen und Ingenieur:innen jetzt unbedingt beachten müssen

Kai Doerk · 11.12.2025 ·

Kurzfassung:
Das OLG Karlsruhe hat klargestellt: Wenn die Aufgabenstellung ausdrücklich vorsieht, zunächst Maximalvorstellungen (z. B. größte Ausnutzung, Bestand an die Grenze, etc.) auszuloten, schuldet der/die Architekt:in zunächst diese Umsetzung – nicht den „sicheren“ Weg einer kleineren, zweifelsfrei genehmigungsfähigen Lösung.
Spätestens wenn klar ist, dass die Maximalvariante nicht genehmigungsfähig ist, ändert sich das Leistungssoll: Dann ist eine genehmigungsfähige Planung zu liefern. Wer weiß, dass keine gültige Baugenehmigung vorliegt, hat aufzuklären und die Bauarbeiten zu stoppen. Eine behördliche „In-Aussicht-Stellung“ oder sogar eine zwischenzeitlich erteilte Genehmigung entlastet nicht.

Aktenzeichen & Normen:
OLG Karlsruhe, Urteil vom 19.11.2025 – 15 U 6/25
LBO-BW § 4 Abs. 2; BauNVO § 23; BGB § 280 Abs. 1, § 650p
(Vorinstanz: LG Heidelberg, 09.01.2025 – 8 O 143/23)


Die sechs zentralen Leitsätze des Urteils

  1. Aufgabenstellung „Maximalvariante“ ist zulässig
    Die Beauftragung kann beinhalten, zunächst die Umsetzbarkeit einer Maximallösung zu prüfen (z. B. Bestandsschutz ausschöpfen, Grenzbebauung, größte überbaute Fläche).
    Konsequenz: Bis zum dokumentierten Abrücken schuldet die Planerseite die Maximalvariante, nicht automatisch die „kleine“ sichere Lösung.
  2. Dynamisches Leistungssoll
    Erst nach dem Abrücken von der Maximalvorstellung wandelt sich das Soll in Richtung genehmigungsfähige Planung. Das muss klar kommuniziert und dokumentiert sein.
  3. Kenntnis und Beachtung des öffentlichen Baurechts
    Architekt:innen müssen die bauordnungs- und bauplanungsrechtlichen Vorschriften kennen und berücksichtigen. Dazu zählt auch die überbaute Fläche i. S. v. § 23 BauNVO.
  4. Subsumtion ist keine „schwierige Rechtsfrage“
    Die Einordnung (z. B. Umfang der überbauten Fläche) unter die einschlägigen Vorschriften ist zumutbar – hier kann sich die Planerseite nicht herausreden.
  5. Stopp- und Aufklärungspflicht bei fehlender Genehmigung
    Wer erkennt, dass (noch) keine gültige Baugenehmigung für die tatsächlich ausgeführten Arbeiten vorliegt, muss aufklären und den Bau stoppen. Weiterbauen trotz fehlender Genehmigung = Haftungsrisiko.
  6. Behördliche Zusagen entlasten nicht
    Weder eine In-Aussicht-Stellung noch eine erteilte Genehmigung nimmt die Planerseite aus der Verantwortung, wenn die Planung objektiv nicht genehmigungsfähig war.

Was bedeutet das für die Praxis?

A) Auftrag und Zielsystem sauber definieren

  • Schriftlich festhalten, ob der/die Auftraggeber:in zunächst die Maximalvariante ausgelotet haben will.
  • Ausstiegspunkt definieren: Wann und auf Basis welcher Fakten wird von der „Max“- auf die genehmigungsfähige Variante umgeschaltet?

Formulierungsvorschlag (Briefing/Vertrag):
„Die Planungsziele umfassen zunächst die Auslotung einer Maximallösung (…), verbunden mit einer belastbaren Einschätzung zu Genehmigungsfähigkeit, Zeit und Kosten. Sobald sich ergibt, dass die Maximallösung rechtlich oder faktisch nicht umsetzbar ist, schuldet die Auftragnehmerin die Erarbeitung einer genehmigungsfähigen Planung. Der Übergang wird protokolliert.“

B) Rechts- und Faktenlage laufend subsumieren

  • Überbaute Flächen, Baugrenzen, Abstandsflächen aktiv prüfen und dokumentieren.
  • Bei Änderung der Bauabsicht (Umbau → Abriss/Neubau) sofort prüfen: Bestandsschutz? Baugrenzen? Baulasten? Nachbarzustimmung?

C) Stop-Mechanismus implementieren

  • Vier-Augen-Prinzip für Freigaben zur Ausführung (Start Tiefbau, Abriss etc.).
  • Interne „Red Flag“-Routine: Fehlt Genehmigung? Weicht Ausführung von genehmigter Planung ab? → Bau stoppen, schriftlich informieren.

Formulierungsvorschlag (Baustellenprotokoll):
„Hinweis: Die aktuell ausgeführte Variante ist nicht von der bestehenden Baugenehmigung gedeckt. Bis zur Klärung/Anpassung wird die Ausführung gestoppt. Auftraggeber informiert am [Datum/Uhrzeit] (E-Mail/Protokoll).“

D) Kommunikation & Dokumentation

  • Jede Weichenstellung (Max → Genehmigungsplanung) schriftlich fixieren.
  • E-Mails und Besprechungsprotokolle versionssicher ablegen.
  • „Mündliche Zusagen vom Amt“ nur mit Aktenvermerk und ohne Fortführung kritischer Arbeiten.

E) Versicherungsschutz passend einstellen

  • Berufshaftpflicht mit ausreichender Versicherungssumme und Mehrjahres-Maximierung (Großprojekte!).
  • Projektdeckung erwägen, wenn mehrere Planer/Gewerke eng verzahnt sind.
  • Rechtsschutz/Bauherrenseite optional einbinden (Streit um Genehmigungsfähigkeit/Bestandsschutz).

CKO-Tipp: Wir prüfen, ob Fehler im Deckungsumfang deiner Police klar erfasst sind.


Konkrete Checkliste

  1. Auftragsklärung: Maximalvariante schriftlich vereinbart? Umstiegspunkt definiert?
  2. Genehmigungslage: Deckt die Baugenehmigung die tatsächlich geplante/ausgeführte Variante?
  3. Subsumtion: Baugrenzen/überbaute Fläche/Abstandsflächen geprüft und dokumentiert?
  4. Baustopp-Regel: Wer darf stoppen? Wer informiert wen, wie und bis wann?
  5. Dokumentation: Protokolle, E-Mails, Pläne – alles versionsgesichert?
  6. Versicherungsschutz: VS-Höhe, Maximierung, Projektdeckung, Obliegenheiten geprüft?

(Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.)

CKO Versicherungsmakler unterstützt Architekt:innen und Ingenieur:innen mit maßgeschneiderten Berufshaftpflicht- und Projektdeckungen, die Stopp-/Warnpflichten, öffentlich-rechtliche Subsumtion und Schnittstellenrisiken sauber abbilden.
Sprechen Sie uns an – wir prüfen Ihre Police kostenfrei auf passende Klauseln und ausreichende Summen.

Beratungshaftung im Ingenieurwesen – unterschätzte Risiken

Kai Doerk · 09.12.2025 ·

Ingenieure gelten als die Problemlöser unserer Zeit – sie planen, berechnen, optimieren.
Doch viele vergessen: Wer berät, haftet.
Ob Energieeffizienz, Baustoffauswahl, Nachhaltigkeitsbewertung oder technische Umsetzung – jede fachliche Empfehlung kann juristische Folgen haben.

2025 zeigt sich: Die Beratungshaftung im Ingenieurwesen ist eines der größten, aber am wenigsten beachteten Risiken der Branche.
Und sie betrifft längst nicht nur klassische Planer, sondern auch Projektsteuerer, Gutachter und Energieberater.


1. Was bedeutet Beratungshaftung eigentlich?

Juristisch bedeutet Beratungshaftung, dass ein Ingenieur für falsche, unvollständige oder unterlassene Beratung haftet, wenn dadurch ein Schaden entsteht.

Das betrifft insbesondere:

  • technische Empfehlungen, die sich später als fehlerhaft erweisen,
  • unterlassene Hinweise auf Risiken oder Alternativen,
  • falsche Kostenschätzungen oder Wirtschaftlichkeitsanalysen,
  • nicht dokumentierte Absprachen oder Hinweise.

Kurz gesagt: Sobald ein Ingenieur ein Urteil oder eine Empfehlung abgibt, übernimmt er rechtlich Verantwortung – auch ohne schriftlichen Vertrag.


2. Aktuelle Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1: Energieberatung mit Folgen

Ein Energieberater empfahl den Austausch einer Heizungsanlage durch eine Wärmepumpe – ohne zu prüfen, ob das Gebäude ausreichend gedämmt war.
Nach der Installation stieg der Energieverbrauch.
Das Gericht urteilte: Planungsähnliche Beratung = volle Haftung, da die Empfehlung technische Wirkung hatte.

Beispiel 2: Bauüberwachung und Kostenschätzung

Ein Bauingenieur gab auf Nachfrage des Auftraggebers eine grobe Kostenschätzung für den Einbau einer Lüftungsanlage ab – mündlich, „aus dem Bauch heraus“.
Am Ende lagen die tatsächlichen Kosten 40 % darüber.
Der Bauherr klagte erfolgreich: Fehlerhafte Beratung mit Vermögensschaden, auch ohne schriftlichen Auftrag.

Beispiel 3: Projektsteuerung im Großbau

Ein Projektsteuerer riet zur Verwendung eines neuen Betonsystems, das später Ausführungsprobleme verursachte.
Das Gericht stellte fest:

„Auch wer keine Planung schuldet, haftet, wenn er technische Entscheidungen wesentlich beeinflusst.“


3. Die häufigsten Haftungsfallen

HaftungsfalleBeschreibungBeispiel
Fehlerhafte Wirtschaftlichkeitsberatungunvollständige oder falsche Kostenprognosenunzutreffende Einsparberechnung bei Sanierung
Technische Empfehlungen ohne PrüfungSysteme oder Verfahren empfohlen, ohne Grundlagen zu prüfenfalsche Wärmepumpe, falsches Abdichtungssystem
Unklare KommunikationAuftraggeber verstehen Beratung als verbindlichmündlicher Rat wird als Leistungsversprechen gewertet
Dokumentationslückenkeine oder lückenhafte Nachweise über BeratungE-Mails fehlen, keine Gesprächsprotokolle
Pflicht zur Warnung / Aufklärungerkennbare Risiken nicht kommuniziertIngenieur erkennt Mangel, informiert aber nicht schriftlich

4. Warum Ingenieure oft unbewusst haften

In vielen Fällen sehen sich Ingenieure nicht als „Berater“, sondern als „technische Dienstleister“.
Doch das Gesetz unterscheidet nicht nach Berufsbild, sondern nach Verhalten:

„Wer durch Fachwissen einen Dritten beeinflusst, übernimmt Beratungsverantwortung.“

Die Folge:

  • Auch Gutachter, Energieberater, SiGeKo oder TGA-Planer tragen Beratungshaftung.
  • Haftung beginnt schon bei Vorprojekten, Workshops oder kostenlosen Erstgesprächen.
  • Selbst eine E-Mail mit technischer Einschätzung kann haftungsbegründend sein.

5. Dokumentation ist die beste Verteidigung

Gerichte urteilen zunehmend zugunsten der Auftraggeber, wenn Aussagen nicht nachweisbar sind.
Wichtig ist daher:

  • Jede Beratung schriftlich oder per E-Mail bestätigen.
  • Risiken, Alternativen und Unsicherheiten explizit benennen.
  • Keine unverbindlichen Schätzungen ohne Disclaimer („unverbindliche Einschätzung, keine technische Prüfung“).
  • Beratungsprotokolle archivieren.

Merke: Wenn Sie beraten, ohne zu dokumentieren, gilt juristisch: „Nicht dokumentiert = nicht gesagt“.


6. Absicherung über die Berufshaftpflicht

Die klassische Berufshaftpflichtversicherung deckt auch Beratungsfehler – aber nur, wenn sie im Rahmen der versicherten Tätigkeit erfolgen.
Problematisch wird es, wenn Ingenieure in fachfremden Bereichen beraten oder neue Geschäftsfelder testen (z. B. Nachhaltigkeitszertifikate, Energieberatung, ESG-Berichte).

Darauf sollten Ingenieure achten:

  • Versicherungspolice prüfen: Ist Beratung außerhalb klassischer Planung mitversichert?
  • Erweiterungen wie Vermögensschaden-, Cyber- oder IT-Module ergänzen.
  • Haftpflichtsumme regelmäßig an Projektvolumen anpassen.
  • Kein „All-Risk-Denken“: Jede neue Beratungsleistung prüfen lassen.

CKO Versicherungsmakler bietet hier branchenspezifische Lösungen – insbesondere für beratende Ingenieure, Energieberater und TGA-Spezialisten.


7. Fazit – Beratung ist Verantwortung

Die Grenzen zwischen Planung, Beratung und Management verschwimmen.
Was als freundliche Hilfestellung beginnt, kann schnell zur Haftungsfalle werden.
Deshalb gilt: Jede Beratung ist eine Aussage mit Risiko.

Wer professionell dokumentiert, Haftungsgrenzen vertraglich festlegt und sich gezielt absichert, schützt sich selbst und sein Büro.

CKO Versicherungsmakler unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieure dabei, ihre Berufshaftpflicht an moderne Beratungsleistungen anzupassen – mit Lösungen, die auch digitale Beratung, ESG-Audits und neue Technologien abdecken.
So bleibt Innovation sicher.

Haftungsfallen für Ingenieure – was Sie 2025 wissen sollten

Kai Doerk · 04.12.2025 ·

Ingenieurinnen und Ingenieure stehen heute stärker im Fokus der Haftungsdiskussion als je zuvor.
Ob Planungsfehler, unklare Kommunikation oder digitale Risiken – die Verantwortung wächst, während die Projekte komplexer werden.

Wer seine Pflichten, Grenzen und Dokumentationspflichten kennt, kann Risiken vermeiden – und Streitigkeiten, die Jahre später teuer werden, von vornherein ausschließen.


1. Haftung entsteht nicht nur bei Planungsfehlern

Viele Ingenieure denken: „Ich hafte nur, wenn ich etwas falsch plane.“
Das ist längst überholt.

Heute entstehen Haftungsfälle vor allem durch:

  • unvollständige Beratung (z. B. fehlende Hinweise auf Risiken),
  • nicht dokumentierte Absprachen,
  • unzureichende Prüfung von Schnittstellen (z. B. bei BIM-Projekten),
  • Verzögerungen durch schlechte Kommunikation,
  • Datenverluste oder Softwarefehler im digitalen Projektablauf.

Selbst kleine Versäumnisse – etwa ein übersehenes Warnschreiben oder eine nicht archivierte E-Mail – können zu Schadensersatzforderungen führen.


2. Die fünf häufigsten Haftungsfallen im Ingenieurbüro

1️⃣ Unklare Leistungsabgrenzung

Oft wird nicht eindeutig geregelt, was genau der Ingenieur schuldet.
Fehlt eine klare Aufgabenbeschreibung im Vertrag, kann der Auftraggeber bei Problemen behaupten, die Leistung sei mangelhaft oder unvollständig.

Tipp:
Immer eine Leistungsbeschreibung verwenden, die Art, Umfang und Grenzen der Tätigkeit genau benennt – auch bei Nachträgen oder Zusatzaufträgen.


2️⃣ Fehlende oder unpräzise Dokumentation

„Ich habe das gesagt“ reicht im Streitfall nicht.
Gerichte und Versicherer stützen sich auf Schriftliches – was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht erfolgt.

Tipp:

  • Mündliche Absprachen immer schriftlich nachhalten.
  • Projektentscheidungen, Varianten und Risiken in Protokollen festhalten.
  • E-Mails sichern oder zentral archivieren.

3️⃣ Schnittstellenfehler in der Zusammenarbeit

Gerade bei komplexen Bauprojekten mit mehreren Beteiligten (Architekt, TGA, Statik, Fachplanung) entstehen Fehler an den Übergabepunkten.
Die Folge: gesamtschuldnerische Haftung – also Mitverantwortung, auch wenn der Fehler nicht ausschließlich im eigenen Gewerk lag.

Tipp:

  • Schnittstellen klar definieren.
  • Zuständigkeiten im BIM-Abwicklungsplan oder Vertrag festschreiben.
  • Übergaben immer dokumentieren – digital oder per Protokoll.

4️⃣ Beratungsfehler und unterlassene Hinweise

Ingenieure haben eine Hinweis- und Aufklärungspflicht: Wenn Risiken oder Unstimmigkeiten erkennbar sind, müssen sie den Auftraggeber informieren.
Wer schweigt, haftet.

Tipp:

  • Risiken aktiv ansprechen und schriftlich dokumentieren.
  • Auch dann hinweisen, wenn der Auftraggeber bereits Entscheidungen getroffen hat.
  • Niemals „unter Vorbehalt“ ausführen, ohne den Vorbehalt zu dokumentieren.

5️⃣ Digitale Risiken und Cybergefahren

BIM, Cloud-Plattformen und digitale Modellierung schaffen neue Risiken:
Verlust, Manipulation oder Löschung von Daten können zu Projektverzögerungen und Kosten führen – und damit zur Haftung.

Tipp:

  • Sichere IT-Systeme, regelmäßige Backups, Zugriffsprotokolle.
  • Klare Datenverantwortung in Verträgen festhalten.
  • Cyberversicherung ergänzend zur Berufshaftpflicht prüfen.

3. Haftungsprävention beginnt mit Organisation

Die wichtigste Erkenntnis: Haftung entsteht selten durch den einen großen Fehler – sondern durch fehlende Organisation.
Wer keine internen Abläufe für Prüfung, Dokumentation und Kommunikation hat, verliert schnell die Kontrolle über seine Risiken.

Empfohlene Strukturmaßnahmen:

  • Vier-Augen-Prinzip für kritische Freigaben (Statik, TGA, Abnahme).
  • Dokumentenlenkung: Versionen, Änderungen, Prüfstatus.
  • Projektakte: alle relevanten Unterlagen zentral speichern.
  • Fortbildungen: regelmäßig zu Recht, Haftung und Digitalisierung.

4. Absicherung durch eine moderne Berufshaftpflicht

Eine gute Organisation ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist Absicherung.
Doch klassische Haftpflichtpolicen decken oft nur den „technischen Fehler“, nicht aber Beratung, Datenverluste oder digitale Schnittstellenfehler.

Darauf sollten Ingenieure achten:

  • Deckung auch für BIM- und IT-Projekte.
  • Mitversicherung von Beratungs- und Nebenleistungen.
  • Optionale Cyberversicherung und Projektversicherung.
  • Angepasste Versicherungssummen bei Großprojekten.

CKO Versicherungsmakler bietet hierfür branchenspezifische Lösungen – von Ingenieurbüros bis zu spezialisierten Fachplanern.


Fazit – Haftung ist planbar

2025 gilt: Ingenieurinnen und Ingenieure stehen mehr denn je im Spannungsfeld zwischen Innovation und Verantwortung.
Doch Haftung ist kein Schicksal – sie ist planbar.

Wer strukturiert arbeitet, Risiken offen kommuniziert und sich gezielt absichert, hat die besten Voraussetzungen, rechtssicher und wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben.

CKO Versicherungsmakler unterstützt Ingenieurinnen und Ingenieure bei der Identifikation und Absicherung von Haftungsrisiken — individuell, praxisnah und rechtskonform.
Denn Präzision ist das Ziel — und Absicherung der Weg dahin.

Schwarzarbeit im Architektenvertrag – Warum „Ohne-Rechnung-Abreden“ den gesamten Vertrag zu Fall bringen können

Kai Doerk · 02.12.2025 ·

LG Nürnberg-Fürth, Urteil vom 16.09.2025 – 9 O 47/24

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte sich im September 2025 mit einem Fall zu befassen, der Architektinnen und Architekten eindrücklich zeigt, wie gefährlich vermeintlich harmlose Barzahlungen „unter der Hand“ sein können.

Der Fall

Ein Architekt verlangte von seinen Bauherren die Zahlung offener Honorarforderungen in Höhe von rund 53.800 Euro. Zwischen den Parteien bestand ein schriftlicher Architektenvertrag über die Planung eines Einfamilienhauses, zusätzlich hatte der Architekt im Rahmen des Projekts eine Bauvoranfrage gestellt.

Im Verlauf der Zusammenarbeit kam es jedoch zu Barzahlungen ohne Rechnung – unter anderem über 5.000 Euro für die Bauvoranfrage und später über 3.500 Euro im Zusammenhang mit einer Teilrechnung. Die Bauherren verweigerten daraufhin die Zahlung des restlichen Honorars und beriefen sich auf die Nichtigkeit des gesamten Vertrags wegen Verstoßes gegen das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (SchwarzArbG).

Das Urteil

Das Gericht stellte klar:

Eine nachträgliche „Ohne-Rechnung-Abrede“ führt zur Gesamtnichtigkeit des Architektenvertrags, wenn sie im engen Zusammenhang mit den vereinbarten Leistungen steht.

Nach Auffassung des LG Nürnberg-Fürth lag hier eine bewusste Schwarzgeldvereinbarung vor. Der Architekt habe vorsätzlich gegen das Schwarzarbeitsverbot verstoßen, die Bauherren hätten dies erkannt und zu ihrem Vorteil genutzt.
Damit entfällt jeglicher vertraglicher Anspruch auf Honorar – auch für ordnungsgemäß erbrachte Leistungen.

Besonders brisant:
Selbst die spätere Ausstellung von Rechnungen konnte den Vertrag nicht nachträglich heilen.
Zudem gilt die Nichtigkeit nicht nur für den Teil, der „schwarz“ abgerechnet wurde, sondern für den gesamten Vertrag, wenn die betroffene Leistung – wie hier die Bauvoranfrage – in engem sachlichen Zusammenhang mit dem Gesamtauftrag steht.

Rechtlicher Hintergrund

Das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz (§ 1 Abs. 2 Nr. 2 SchwarzArbG) verbietet den Abschluss von Werkverträgen, die darauf abzielen, steuerliche Pflichten zu umgehen.
Verstößt ein Unternehmer vorsätzlich dagegen und nutzt der Auftraggeber dies bewusst aus, ist der Vertrag nach § 134 BGB nichtig.
Das bedeutet:

  • Kein Honoraranspruch des Architekten
  • Kein Schadensersatz
  • Kein Anspruch auf Nachbesserung oder Abnahme

Auch Teilleistungen oder Abschlagszahlungen „ohne Rechnung“ genügen, um die Nichtigkeit des gesamten Vertrags auszulösen.

Fazit für Architektinnen und Architekten

Dieses Urteil verdeutlicht einmal mehr: Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, sondern kann existenzbedrohend sein. Selbst kleine Barzahlungen ohne Rechnung können den Verlust sämtlicher Ansprüche nach sich ziehen – inklusive bereits erbrachter Leistungen.

Eine Rechtsschutzversicherung für Architekten und Ingenieure kann in solchen Fällen sehr hilfreich sein – wir beraten Sie gern.

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